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Die 8 Todsünden der Angehörigen
Seite 2

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Die 8 Todsünden der Angehörigen

(In Anlehnung eines Textes von Prof.Dr.Volker Faust)

 

Beim Umgang mit depressiven Menschen sollten bestimmte „Ratschläge“ vermieden werden, die zwar gut gemeint, für den Leidenden aber oft von ungünstiger bis gegenteiliger Wirkung sind.

Ein solches Fehlverhalten ist vor allem bei unerfahrenen Angehörigen, gelegentlich aber auch bei Therapeuten zu beobachten. „Empfehlungen“ von Letzteren sind besonders gefährlich, zumal deren Wort für den Patienten doppelt zählt.

 

Im Folgenden die häufigsten Fehlerquellen:

1. Appelle: Es ist falsch, depressive Menschen aufzufordern, sich z. B. zusammenzureißen, nicht gehen zu lassen, zu beherrschen, durchzubeißen und Haltung zu bewahren.

Die meisten Kranken sind ohnehin hoffnungslos, willensschwach, unentschlossen, resigniert, gehemmt, ohne Schwung und Initiative. Ein Aufruf kann die Verzweiflung des Patienten verstärken und die Selbstmordgefahr sogar verstärken.

2. Ablenkung: Es ist falsch, zu versuchen, depressive Menschen aufzuheitern, zur Zerstreuung zu animieren, bzw. entsprechende Vorschläge, wie „Gönn dir wieder einmal ein Vergnügen!“ zu machen.

Depressive Menschen möchten sehr wohl, können aber nicht. Das ist ein großer Unterschied. Demzufolge ist es ebenso sinnlos, auf die „schönen Dinge dieser Welt“ zu verweisen. Gerade für solche Menschen ist es besonders belastend, wenn sie sich an nichts erfreuen können. Durch diese Aufforderungen und Einladungen entwickeln sie meist noch Schuldgefühle.

3. Überredungsversuche: Es ist falsch, depressiven Menschen einreden zu wollen, „es gehe ihnen im Grunde doch gut“.

Diese können durchaus selbst empfinden, wann es ihnen gut geht und sie nicht mehr depressiv sind. Sind sie aber noch depressiv, dann erleben sie eine solche Äußerung als schmerzliche Verkennung ihres Zustandes, als Unverständnis, Misstrauen oder gar Hohn.

4. Urlaub: Es ist falsch, depressive Menschen in den Urlaub zu schicken.

Diese fühlen sich aufgrund ihrer seelisch-körperlichen Einengung, ihrer Merk- und Konzentrationsstörungen, ihrer Ratlosigkeit, Verunsicherung, Ängstlichkeit und ihrer Minderwertigkeitsgefühle – vor allem aber durch den Kontaktverlust und der damit gegebenen Isolationsgefahr – in fremder Umgebung noch weniger zurecht als zu Hause. Meist beschränken sie sich in ihren Gedanken nur noch auf ihre depressive Symptomatik.

Ganz besonders schmerzlich ist für die Kranken, dass sie ihren früheren Hobbys freudlos, gleichgültig, teilnahmslos, furchtsam bzw. mit schweren Schuldgefühlen gegenüberstehen. Häufig entsteht dann der Eindruck, sie wären undankbar. Auch sind depressive Menschen durch die fremde Umgebung bzw. die neue und ungewohnte Situation oft rasch überfordert und geraten schnell in umschriebene und diffuse Angst oder zeigen panikartige Reaktionen.

5. Kuraufenthalt: Es ist falsch, Patienten mit einer Depression zur Kur zu schicken.

Dabei können im Wesentlichen dieselben Probleme auftreten wie im Urlaub. Auch ist die überwiegende Mehrzahl der Kur- und Heilanstalten weder vom Mitarbeiterstab noch von dessen Ausbildung her auf depressive Patienten eingerichtet. Außerdem haben Kuranstalten einen anderen diagnostischen und therapeutischen Schwerpunkt und sind nicht auf Depressionen spezialisiert.

Aus diesem Grund können depressive Menschen, die unter Umständen noch suizidgefährdet sind, nicht nur für sich selbst, sondern auch für die dortigen Ärzte, die Mitarbeiter und die Kurgäste zu einer erheblichen Belastung werden. Allerdings kann bei einigen depressiven Zuständen, wie z. B. der Erschöpfungsdepression, ein gut organisierter Urlaub bzw. Kuraufenthalt unter günstigen familiären, medikamentösen, ärztlichen und psychosozialen Voraussetzungen durchaus erfolgreich sein. Dies setzt allerdings eine gezielte Verlaufsuntersuchung, fundierte organisatorische Planung und entsprechend motivierte bzw. instruierte Angehörige und Therapeuten voraus.

6. Wahnideen: Es ist falsch, depressiven Menschen mögliche Wahnideen ausreden zu wollen.

Dies betrifft vor allem deren Krankheitswahn („Mein Leiden ist unheilbar“), den Verarmungswahn („Mittellos, Schulden, jetzt frisst die Krankheit noch das restliche Vermögen auf ...“) bzw. den Schuld- und Versündigungswahn („Ein schlechter Mensch, der rechtswidrig gehandelt hat, verdient Strafe“).

Nicht nur dem schizophrenen, auch dem depressiven Wahn ist mit logischen Argumenten bzw. Gegenbeweisen nicht entgegenzukommen. Lässt man sich auf eine solch nutzlose Auseinandersetzung ein, läuft man nur Gefahr, das Wahnsystem des Leidenden zu verstärken.

Auch kann „Misstrauen“ seitens eines Therapeuten dem verunsicherten Patienten das Vertrauen nehmen, da sich dieser unverstanden, lächerlich gemacht oder gar angegriffen fühlt.

 

 



 
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